An den Tod

Der Tod hat Nichtigkeit in allem Sein, doch alles Sein ist nur vom Tod umfangen, der über allem ist und immer war und einer Fülle nimmt, was sie aus Helligkeit empfangen.

Er scheint dem Leben ferner noch als fernste Welten, die unbetreten sind und alles überstehen, und ist des Werdens größte Nähe doch, das wie aus unsichtbarem Munde spricht: – Ich werde nicht vergehen –! Aus einer Schöpfung, die ein Sein und Nichtsein so verknüpft, ist Tod ein Sinn der Welt und nicht ihr dunkles Joch.

Wie Nacht in Schwere fällt und Tag hinaufgeht, zwiegespalten, sind Lebens Überfluss und Todes Enge Widersacher, die doch aus ewigem Gesetze einer Wahrheit dienen und einen Willen, wie aus Übermaß, entfalten.

Der Tod, des Lebens letztes Siegel, zeigt unermesslich, was durch alle Dinge gehet und alles Wesen wie ein grosser Klang durchwehet: Liebe, die aus ihrem Hauche selbst sich atmet und aus Allmachts Herrlichkeit vollenden will, die dich aus Überfluss, als ob sie sich vollbringe und verdichte, aus deinem Herzschlag nimmt. Und deine Seele wird, aus Anbeginn, zu ewigem Gesichte.

Tod, der empfunden wird wie ein großer metaphysischer Wille, wie das Geschehen einer unbegreiflich höheren Kraft, die dem Menschen Erlösung bringt.