Dom von Siena

Farben, Feuerzungen, Strom des Lichtes, in Mauern aufgelöst,
aus Anmut aufgebaut, die über Stärke triumphierte.
Traum und Gestalt, dem Himmlischen entflammt,
die noch den offenen Blick des Schöpfungsmorgens tragen.


Heiliges Gesetz, fühlbar empfangen, verkündet Helle
und aller Widerschein des Sonnengoldes
lässt Mosaiken des Gesteins durch’s Auge rinnen,
als fasse es verwandelt Licht und unbetretenes Paradies.


Wie Offenbarung trägt der Stein
den matten Glanz der Bogengänge,
gestreiftes Weiss, das zu Gesang im Raume ward.
Unschuld und Busse, gefunden wie verlorene Spur,
steh’n stumm geweiht im Strahle einer Ewigkeit.


Wort aus Marmorspiegelungen,
das immer neu und grenzenlos sich selbst erschafft
im Ringen und Gebet.


Alle große Kunst, auch die architektonische, entspringt einem metaphysischen Willen. Das Handwerkliche, Stoffliche ist nur der Boden der (Bau-)Kunst. Die Kunst der Gestaltung entwickelt ihr klares Bewusstsein, sublimiert, wird zu Inhalt und Form – das innere Leben des Kunstwerkes aber wird geformt durch die Idee (und der darin zum Ausdruck kommenden Seele).