Ein Ebenbild

Wenn stolzer Hochmut sich entfaltet und Kampf so todesdunkel waltet, dann klingen ewige Erlösungsglocken leiser – wie zum Spott – als wollten sie in unsere Vergänglichkeiten sagen: „Ihr seid nicht Gott!“ Ihr seid zu seinem Ebenbilde nur erschaffen und solltet Frieden suchen, der euch eint, doch in den Wundenmalen, die euch einst erretten, seht ihr noch immer euren Feind! Seht doch die auferblühte Rose, die ihren Kelch so morgenschön zum Lichte hebt, denn ist es nicht, als ob auch sie als „Ebenbild des Göttlichen“ erschaffen ist und daraus blüht und lebt. Erblühe – so erwacht wie eine Rose – auch du, o meine Seele, das Dunkle, Unheilvolle, lass es los und werde wieder zu dem Ebenbilde Gottes. Werde groß!
Das Thema, das die Dichterin Irena Wachendorff als eine fundamentale Wahrheit unserer Lebensbezüge zu Gott und Menschen im Prozess einer Umwandlung und Umbildung so ausdrückt: „Gott erschuf die Menschen nach seinem Bilde. Nach unserem formten wir uns dann den Feind.“