Eine Stimme spricht zum Unermesslichen

In deinem Strahlenkranze wachsen Lüge, Brunst und Beben,
nur dies ist dunkler Sinn von Anbeginn,
aus wüsten Tiefen wächst das Leben
lasterhaft und unvergeben
und ihre Werke steigen heuchlerisch in sternenloses Weinen,
denn Menschen sind in ihrer Hölle Grund
des Satans Kinder nur und nicht die deinen.


Aus ihrer blutigen Flamme sprühen Hass und Rache,
ihr Fluch gilt selbst dem reinen Strahl
aus deiner Hände Wundenmale und deinem Blick,
der sich aus heiligem Schmerzenskranze
stumm zu ihnen neigte.
Sie würden dir erneut die Dornenkrone reichen
und dich in ekelhaftem Pöbelgaffen
wütend martern ohne Gnade,
weil sie in ihrem Fühlen dir nicht gleichen.


Dein Opferblut verbrauchte sich in ihrer dunklen Tiefe,
in der sie ohne Glaube stehn,
dein Leiden ward zu Stein in ihren Herzen,
als wär es nie geschehn.


Zu deiner Göttlichkeit und reinem Lichte
können sie nicht reifen,
weil sie die Freiheit, die der Allerschaffende
als innigstes Geschenk gegeben hat, missbrauchen
und das Erhabene eines Aufblicks nicht begreifen.


Bleibe in dem Alleinsein deiner namenlosen Glorie,
in der du Frucht geworden bist.


Der Eine,
in seinem unaussprechlichen Dasein, lauschte unverwandt,
sein Blick war Liebe, und seine hingestreckten Hände
nahmen den bitteren Trank in seine wundertiefe Würde
und die Schmerzen – wie eine stumme Erinnerung –
in sein Herz.


„Eine Stimme spricht zum Unermesslichen“ ist in gedichteter Form das Thema von Dostojewski’s „Großinquisitor“. Christus, käme er zurück, würde zum zweiten Mal gekreuzigt werden; als Inkarnation der Liebe jedoch, der sich den Menschen selbstlos gibt und liebt, leerte er den bitteren Kelch erneut und nähme die Schmerzen – wie eine stumme Erinnerung an Golgatha – in sein Herz.