Ich fühle es

I.

Die Liebe singt ein Lied der Ewigkeit, ganz zart, so wie ein Bogenstrich auf einer Geige klingt, und wie ein Rauschen leise durch die Sommerblätter zieht singt noch des Abendrotes letzter Strahl dies ewige Liebeslied.

So wandelt Liebe alles leise in Erklingen - ihr ewig eigenes Lied – das in der aufgelösten Dämmerstunde immer weiter fortklingt, wenn fern die Ebenen singen.

II.

Tief, dunkel wandelt der Tod durch schwebenden Windhauch über tanzende Inseln der Bläue im Gesang des Liedes.

Nur der Mensch blickt durch Tränenstrom in die fremde, schwarze Maske, und alle Erinnerungen verblühen in dumpfer Grabesurne, wie Blumen brechen, wenn der Sommer verrinnt.

Doch: Ist fortzugehen, wenn die Ebenen singen, nicht schon Erwartung?

Der Tod ist in seiner Innengestalt voller Geheimnisse, doch wie im gesamten Kosmos die gleichen Kräfte wirken, ist diesen auch der Tod untertan. Der Tod ist zugleich die Transfiguration dieser Kräfte. Und kündet nicht die Natur im Mysterium ihrer alles umfassenden „Wahrheit“ gleichsam wie ein „Singen der Ebenen“ diese von Goethe so weltentief formulierte Erkenntnis, dass der Tod alles Leben letztlich zurückführe „zur Wahrheit der Natur“!