KulturTriumphgesang aus der Fülle des Lebens

Offenbart uns das Unantastbare – die Kultur – nicht etwas Unüberbietbares:

Die tiefste Kommunikation von Geist und Schönheit!

Die Kunst blüht im Tiefsten auf aus der Seele, die Wissenschaft aus der Tiefe des Geistes.

Kultur gleicht einer Erleuchtung über Sinn, Bedeutung und Wesen eines Schöpferischen, einer Synthese aus ontologischen, geistig – konstruktiven, ethischen, musikalisch – lyrischen Elementen.

Daraus hervor steigen autonome Schöpfungen, in den Naturwissenschaften als Erkenntnisse, in der Musik und Poesie als Bekenntnisse der Schönheit.

All dies sind Spiegelungen, Manifestationen des Daseins, Kultur spiegelt dieses Dasein in seiner ganzen Weite.

Sie vermag es, in der Kunst geistige Inspirationen und Seelenzustände zu verbinden und zu offenbaren, eine Deutung für das um und in uns wirkende Sein zu geben, wie es u.a. in den Naturwissenschaften Einstein in seinen Erkenntnissen formulierte oder – als pars pro toto – im Bereich der Musik dem Komponisten Markus Schönewolf in der Komposition von „Epitaphen“ gelingt, in denen Natur, das Ewige, Mensch, Liebe, Leben und Tod miteinander verschmelzen, um sich im „Mysticum dieses Ewigen“ zu verhauchen.

Könnte Kultur nicht auch als ein „System der Wahrheit“ bezeichnet werden, die bei allem Wandel, auch in ihren dialektischen Strukturen, und trotz ihres Andersseins zu den Schöpfungen der natura naturans, dennoch deren tiefster Wahrheit verpflichtet sein nach der goethischen Erkenntnis: „Die Natur hat immer recht, sie ist immer wahr…“, denn fließen nicht alle Teilerkenntnisse, auch künstlerische Schöpfungen, aus dieser höheren Wahrheit, verbunden zu höherer Einheit!

Die Natur vermag es, das Unaussprechliche sagbar, hörbar, sichtbar, fühlbar zu machen, die Naturwissenschaften übersetzen es ins Begriffliche, die Religion drückt es in Offenbarungen und Gleichnissen aus, die Kunst erfasst es aus der Seelentiefe eines uns „liebend umfangenden Geschicks“ – um es mit Goethes Worten auszudrücken.

Alle diese Verstehensarten leben aus dem Geheimnis, der geheimen göttlichen Kraft, die dem Menschen als „sympathetische Verständlichkeit“ von der Natur mitgegeben ist; ohne diese elementare Bindung an die Natur würde dem Menschen alles unverständlich bleiben.

Der Mensch versteht und fühlt nur das, was er in sich hat, die Fülle der Wirklichkeiten der Welt wartet auf ihn.

Innerhalb dieses Raumes gibt uns die Kultur ihre geistige, seelische, erkenntnishafte und bildliche, tönende, beglückende Deutung und Ordnung gleich einem Spektrum tausender Facetten.

Vielleicht könnte man Kultur als kulturelle Variante der Natur bezeichnen, die Weltphantasie, in der sich Musik als tönende Weltidee, als musikalische Mutation einer Entwicklungsgeschichte des Menschen manifestierte, so wie auch die Natur Mutationssprünge macht, im Biologischen als Erscheinungsbild von Pflanzen und Tieren.

Die damit korrespondierenden geistig – kulturellen Mutationen, d.h. sichtbare, hörbare, geistig – erkenntnismäßige Entwicklungssprünge, heben die Menschheit auf eine höhere Ebene des Seins, in eine kulturelle Verdichtung des Lebens und damit des Seins selbst.

Könnte man Mutationssprünge nicht als „Sternstunden der Evolution“ bezeichnen!

In der Literatur- und Musikgeschichte, in der bildenden Kunst können solche Erscheinungen in einem einzigen Werk auftreten, ein neuer Stil führt eine neue Ära herauf, das Erscheinungsbild der Kunst verändert sich; in den Naturwissenschaften sind das Entscheidende neue Erkenntnisse.

Diese neuen Schöpfungen sind der Nährboden einer immer fortblühenden Kultur, ihres unendlichen Gestaltenwandels.

Dieses erhabene Niveau und damit eine wie ein Wunder empfundene Kulturentwicklung findet ihre eigene Wertekategorie in sich, vielleicht könnte man sie als Abbild ewiger Ideen verstehen, von einer Uridee gespeist, so wie uns Liebe ein Göttliches offenbart.

Ein Genie vermag es, dieses „göttliche Licht“ aus seinem Inneren zu erschaffen.

Schopenhauer erkannte in der Musik dieses göttliche Licht. Seine Worte: „Komponieren ist metaphysische Tätigkeit“ zeugen davon.

Eine Komposition vermag es, diese magische Wirkung der Liebe zu offenbaren – so möchte man hinzufügen – dieses Aufleuchten des „göttlichen Funkens“.

Hört man Schuberts Adagio Satz aus seinem Streichquintett in C – Dur, erfasst man eine alles umhüllende Liebesmacht – unirdisch –, die sich nur dem ahnenden Gefühl offenbart.

Dies alles schenkt, enthüllt uns die Kultur als ein „Triumphgesang des Lebens“, als eine Beglückung, die die Welt mit Geist und Schönheit erfüllt.

Kultur ist eine geistige und seelische „Licht- und Liebeswelt“ von höchstem Wert, die sehnsüchtig beschwörende Gestalt der Hoffnung, der Schönheit und der Liebe!