Liebesode

Gott schenkte uns die Schöpfung, damit sich Liebe nicht verbraucht, aufertönend wie ein „Hohes Lied“ und nicht wie einer Trauerode Hauch! Ach, lass uns in der Liebe wachsen, Liebe wagen und wie aus einem lichten Traumesspiegel dies Himmelreich in unserer Seele tragen, so wie sich Blumensterne leicht im Frühlingswinde wiegen, wenn sie sich zarter noch ins warme Licht der Liebe schmiegen! Und hoch im Blau die Lerche in dem Himmelsglanze singt, so schönheitstrunken, wie es von ferne aus dem Hauche einer Flöte klingt. Denn strahlet Liebe nicht – in ihrer Schönheit leuchtend – unendlich auch in ewige Vergänglichkeiten und sendet widerspiegelnder noch ihren letzten Strahl bis tief hinab ins dunkle Grab der Zeiten?

Was Gott schöpferisch macht – so sagt es der Glaube – ist die Liebe!

Sie erscheint als der Gehalt der gesamten Schöpfung.

Sie leuchtet als Außermenschliches tief in das Menschliche, sie zeigt die Überlegenheit einer anderen Wirklichkeit.

Der Mensch spürt diesen Hauptklang der Schöpfung tief innen in seiner Seele, die Blumen entsprießen daraus nach ihrem irdischen Gesetze, die Vögel unter dem Himmel jubilieren es hinauf, zurück zu Gottes Odem!

Das Universum verbirgt dieses Geheimnis, es weiß nichts darum – wie André Malraux es einmal ausdruckte – und nur der Mensch, der in seinen tiefsten Welten aus dem Geistigen lebt, darf es erfassen, ein Geheimnis, das ihn zugleich vor dem Überweltlichen erschaudern lässt!

Dieses Liebesumfangen der Schöpfung, die dem Menschen alles schenkt, seine Gestalt, die Luft zum Atmen, seine geistigen und seelischen Kräfte – all dies ist Geschenk – fordert ihn gleichsam auf, dieser eingeborenen Bestimmung seines hinströmenden Lebens in der Liebe treu zu bleiben, im Ton der Flöte gleichnishaft als pars pro toto die weit ausschwingende Schönheit einer Kunst zu erleben, die in die Größenordnung des Göttlichen hinein reicht und im Tode wieder zurück führt zur Begegnung mit diesem göttlichen Geheimnis, der Begegnung von Natur, Geist und Seele!