Orpheus

Ein Schauern, götterhaft entbrannt, stieg in die Steine, Blumen, Tiere, Gesang, der dunkel ward, und alles war in ihm nur Qual, verlassener Ort, lichtlos die sternumfangene Erde, Abgrund und Schattenwelt, in die sich aller Hauch unsäglicher verlor, nur uraltes Schweigen, das die Toten stumm bezeugen.

Hinklingend weinte Innerstes im Lied, das schon vollbrachter Wandlung widerstand. Das Unbewegte änderte sein Maß, als es sich fühlend aus sich selbst erhob, damit es Liebe nicht ertöte.

„Ein Schauern … stieg in die Steine, Blumen, Tiere“, denn Orpheus formte Laute, in der das Unerhörte, Unsägliche, nie zuvor Aussagbare sich kundgeben konnte. Schmerz, der größer war, als alle Einsamkeiten, überwältigte sogar die widerstreitenden Naturgewalten, weil der Gesang des Orpheus in Trauer und Leidenschaft alles zu durchdringen imstande war. Jemand, der so liebt, trägt ein Göttliches in sich, das den siegreichen Widerhall und damit die Wendung zum Glück zu bewirken vermag.