Romeo und Julia

Nie wieder von dir getrennt zu sein – in alle Ewigkeit!

„O schwöre nicht beim Mond, dem Wandelbaren, damit nicht wandelbar auch deine Liebe sei…“           (Shakesspeare „Romeo und Julia“)

Prolog

Liebe, wo hast du alle Schönheit hergenommen …

O holde Julia … Steigt aus dem Lichtesstrahl des Mondes nicht überirdischer noch meine Liebe auf, darin ich dich in meinem Liebesatem wieder finde! Du fandest in dem Liebesstrahle mich – ganz hingegeben diesem Licht der Liebe – damit das Schicksal uns für immer aneinander binde. O, meine Julia, liebst du mich auch so sehr? Mir ist, als strahle eine Himmelsflut hernieder, unendlicher noch als das Meer, als hätte ich in dieser Traumesnacht – erfüllt von seligem Verlangen – die „ewige Liebesspur“ des Alls betreten, um ewig auch dein Bild in meiner Seele anzubeten! Lass uns in dieses Flammesglühn versenken, was Liebe fühlt, die nichts – auch nicht die Tiefe aller Meere – in uns kühlt! Rinnt nicht das Herzblut unseres Schicksals
so sternenhaft aus Göttermacht, als gingen wir aus unserem Liebesatem, der nicht enden kann, in eine ewige Liebesnacht?

Epilog

Verhängnis nur und Trauer war des Schicksals todesdunkles Walten, denn blinder Wille, blinder noch von unbeugsamem Hass geblendet, beraubte dieser Liebe ihre Götterkraft für alle Zeit. Doch Liebe, die sich noch im Todesschlafe findet, steht unbezwungen vor der Ewigkeit!

 

Romeo und Julia, Franco Zeffirelli 1968, Balkonszene

 

Romeos Klage
– O lass mich weinen –

Prolog

O Ewiger, Gabst DU uns in der Liebe nicht auch einer ewigen Flamme Kraft?

Wie strahlte Liebe selig auf in mir, doch tief gestürzt von dumpfer Schicksalsmacht lieg’ ich, Verlassener, auf meinen Knien nun vor dir! Ach, wie aus tödlichen Gewalten ward schwankend tiefe Nacht und Dunkel um mich her! Mein Herzblut rinnt – so grausam dir entrissen – verströmender noch als ein Todesstrom zum Meer! Das Liebeslicht erlosch so unbarmherzig, ach, nur ein Grabeslicht umflackert deine einst so auferblühten Lippen, die sich an meine schmiegten. O schenke mir noch einen letzten Blick aus deinen Augen, aus dem der Himmel einst so selig strahlte, als ob er wüsste, – wenn mein Erglühen deine Lippen, deine Augen, deine Seele küsste – dass zwischen Erd und Himmel uns für immer eines bliebe, die ewige-heilige Macht der Liebe! Ich fühle es, du wirst im Grabesdunkel aller Zeiten in Ewigkeit zu mir gehören! Ach, lass mich noch im Tode – weinend wie aus innigstem Beschwören – aus meinen Wunden dich umfangen – noch ein einziges Mal – und leite mich an deiner Hand – du Schmerzenslose – für immer nun hinab in diese letzte Qual!

Epilog

O Himmelsmacht, solange Sterne Liebende bescheinen, sind sie aus wundertätiger Kraft und Schönheit leuchtend in Ewigkeit die deinen!

 

Romeo und Julia, Franco Zeffirelli 1968, Tod Romeos

Ein Gleichnis der Liebe, die sich im irdischen Leben nicht erfüllen darf und kann und erst im Gewand des Todes die alles umfangende „Melodie der Liebe“ aus der Ewigkeit offenbart, denn die Liebe ist stärker als der Tod, die Liebe, jenes Größere, dem die Liebenden bis in den Tod und über ihn hinaus treu geblieben sind. Dass sie damit die höchste Ordnung der Dinge bewahrten, schenkt uns Erkenntnis, jedoch auch Wehmut über das Geschick dieser „Liebenden in der Ewigkeit“.