Segesta

Säulen von strömendem Licht unendlich umfangen,
wenn zu Gestalt wird unendlich geformter Gedanke.
Aufgang aus Dasein in stets verändertem Schicksal,
selbst aus verdunkeltem Ton noch entströmende Harmonien.
Gipfel im Schaffen als unermessliche Spur
in gestaltendem Leben,
wo sich aus Marmor und Schönheit verbindet
in Steine gesenkter Geist
aus steigender Kraft und Schweben.


Wohnsitz von Göttern,
wo All durch Andrang des Herzens
wie reinstes Geheimnis berührt,
noch aus unerschöpflichem Hauche,
aus drängender Fülle der Seele,
eines Genius Lächeln erspürt.


Gedanke und Wahrheit
lebt aus der großen, volleren Zeit verströmend noch fort,
aus Geist, der sich Freiheit schuf.
Göttlichen Ursprungs und grenzenlos war einst der Ort.


Der griechische Tempel von Segesta auf Sizilien hat mich in seiner erhabenen Schönheit sehr beeindruckt. In Worten werden zunächst Größe und die realen Säulen des Tempels „aufgebaut“, dann werden gleichsam die Säulen einer geistigen Architektur, das Bleibende der griechischen Antike, die eine gesittete Welt geprägt hat, ausgesprochen: jene Basis, das innerste Wesen der antiken Griechen, die das Abendland bauten „aus Geist, der sich Freiheit schuf“.