Stimmen

Joseph Ratzinger – Papst Benedikt XVI – emeritus

schrieb in feinsinniger Ausdeutung des Titels dieser Gedichte Die Stille träumt … denn sie ist Lied:

„Er danke für das Lied, das aus der Stille aufsteigt und zu ihm ins Wort gebracht wurde. Gerne werde ich lauschen!“

Prof. Dr. Kenneth S. Whitton

Die Stille träumt … denn sie ist Lied
Gedichte von Hartmut Oliver HORST

Hartmut Oliver Horst hat einen beeindruckenden Gedichtzyklus geschaffen, ergreifend und vielgestaltig, der eine große Skala menschlicher Erlebnisse umfasst.

Der Dichter reflektiert über die vielen Erfahrungen, die ihm das Leben eröffnete und überdenkt ihre Wirkung auf die eigene Fähigkeit, sein Leben zu führen.

Wenn auch die Themen Liebe, Musik und Tod die Hauptimpulse seiner Schöpfungen darstellen, ist der Autor gleichermaßen bewegt durch die Begegnung mit großen Kunstwerken und Schöpfungen von Kunst.

Viele seiner Gedichte, z.B. über „Don Juan“, „Lucia di Lammermoor“, „Segesta“ auf Sizilien und vor allem über die große „Kathedrale von Chartres“ sind inspiriert vom „Erleben des Augenblicks“, ein Ausdruck, der für so viele der Goethischen Gedichte gebraucht wird und bemerkenswerte Beispiele liefert für die Kraft grosser Kunst, die den Geist zu bewegen – und für kulturelle Impulse zu eröffnen vermag.

Hartmut Oliver Horsts Gedichte enthalten eine Fülle versinnbildlichter und metaphysischer Gedanken, darin erinnernd an das Beste im lyrischen Werk des 20. Jahrhunderts, den Dichter Rainer Maria Rilke.

Alle seine Gedichte haben Ihre Wurzeln unerschütterlich in einem Grund, dem Vertrauen zu einer göttlichen Schöpfung, auflebend im Menschen zu einer Gefühls- und Bildsprache, die der Dichter in seinen lebendigen Erfahrungen umwandelt in poetische Form.

Durch diese Gedichte geht eine tiefgehende Überzeugung, dass das Gute im Ringen des Geistigen mit dem Stofflichen siegreich besteht – und unser Leben unverrückbar geprägt wird von der Last einer Sterblichkeit, die nicht behoben werden kann, aber dennoch eingebunden ist in eines Weltengeistes Tiefe, die wir nicht wissen, sondern nur erahnen können.

Es ist die durchdringende, feinfühlige und eindeutige Aussage eines Lebens für und in der Gegenwart, das so viel wie möglich von den Schönheiten und Geheimnissen des Lebens in all seiner Vielfältigkeit und von den kulturellen Schätzen, die uns verfügbar sind, in sich aufnimmt – im Bewusstsein des unvermeidlichen Vorüberziehens der Zeit –, das ein Lesen dieser Gedichte zu einer tiefgründigen und bereichernden Erfahrung werden lässt.

Joachim Kaiser

Die Gedichte von Hartmut Oliver Horst enthalten neben einer vielfältigen Thematik, spiritueller Tiefe, ein hohes Bildungsniveau, das diese Gedichte lesenswert macht.

Markus Schönewolf

Die Gedichte von Hartmut Oliver Horst besitzen eine philosophische und metaphysische Tiefe, eine geistig-schöpferische Höhe und in ihrer berückenden poetischen Substanz und außergewöhnlichen sprachlichen Schönheit eine Weite der emotio.

Ein jedes Gedicht nimmt nicht nur auf eine intellektuelle und emotionale, sondern auch auf mystische Weise gefangen. Einzelne Verse oder Gedanken allein besitzen die Größe eines lyrischen Kosmos. Eine der wohl höchsten Aussagen der großen Liebeslyrik – Shakespeares Sonette und das Hohelied einschließend – ist die Zeile „Aus allem Anfang bin ich nur zu dir gegangen“ aus dem Gedicht Überwältigt. Dieses Gedicht besitzt den Rang des Universellen – als Naturpoesie, als Liebeslied, als Theopoetik, es ist lyrisches Kleinod und Gedicht über die Selbsterkenntnis von geradezu epiphanischer Qualität: „Aus deines Wesens Nähe erst / hab ich mich selbst erlebt“ – „erlebt“, nicht nur erkannt! –, eine Aussage, die Martin Bubers Zitat „Der Mensch wird am Du zum Ich“ gleichzusetzen ist. Letztlich wird der Mensch an jedem Gegenüber zum ‚Ich‘, am Gegenüber eines Menschen, der Natur, der gesamten Schöpfung.

„Aufgang aus Dasein“, ein aus dem Gedicht „Segesta“ entnommener Satz, mag als Synthese und Apotheose von Aussagen über die Wahrhaftigkeit des Wesens großer Kunstwerke – bei maximaler Verdichtung – gedeutet sein, besagt er doch, dass ein Kunstwerk in seiner Entstehungsmöglichkeit und im Material schon vorhanden ist, bevor der Künstler es offenlegt, erschafft. Denken lässt dies an Aussagen Michelangelos, dass jeder Steinblock eine Statue in sich trägt, die durch den Künstler entdeckt und durch Entfernung überzähligen Gesteins freigelegt werden will. In Rilkes 4. Sonett aus dem zweiten Teil der „Sonette an Orpheus“ lebt diese Möglichkeit des Werdens, des Werdens eines Lebewesens, eines Einhorns: „Doch weil sie’s liebten, ward / ein reines Tier … Sie nährten es mit keinem Korn, / nur immer mit der Möglichkeit, es sei.“ In diesen verwandten Gedanken Michelangelo/Rilke/Horst leuchtet Erleben und Verstehen einer Entstehung von Kunstwerken.

Erkenntnisse solch universalen Formats ‚springen‘ die Leserin und den Leser geradezu an, machen betroffen, treffen ins Herz – wie Zeilen aus Gedichten über erhabene Architektur – von Chartres oder den Dom von Siena – („Ins Innere steigen der Skulpturen Blick und Gesten, / die durch die Zeiten greifen“; „Traum und Gestalt, dem Himmlischen entflammt, / die noch den offenen Blick des Schöpfungsmorgens tragen“), Bedichtung der Natur („Und noch die Nacht nimmt sie / mit seltsam leisen Tönen in ihr Fühlen auf“), der Liebe („In meiner Liebe steht wie ein beseelter Traum: / Andacht und Beben“), der Musik („Lausche, sie redet zu dir aus verschütteter Zeit“), des Schmerzes („Wohin wirft meine Seele schwarzes Salz der Wunde?“) und des Schönen („Das Schöne ist in seinem Wesen allerreinste Nähe“), des Schönen, wie es immer wieder aus diesen Gedichten aufleuchtet im Jubelgesang einer Schöpfung, der diese Gedichte durchstrahlt.

„Maß und Ziel“ beschließt den Zyklus der Gedichte. Ob seiner aphoristischen Kürze, seiner vollendeten Form, seiner Ausdrucks- und Aussagegewalt – ein Vergleich mit dem existentiellen Beginn der ersten „Duineser Elegie“ Rilkes drängt sich auf – mag man dieses Gedicht ein vollendetes nennen. Es zeigt den höchsten Lebenssinn nicht nur auf, nein, es postulieren diesen – dem Diktum eines der großen Religionsstifter gleich und zum höchsten Wohle des Menschen: „Lebe die Liebe“.

Der Lebens- und Liebesreife ist eine Todesreife gleichgestellt. Abverlangt ist nicht bloße Todesbereitschaft – als Analogie z.B. zu William Shakespeares „Be absolute for death“ –, sondern der Wunsch um Reife „letzten Verstehens“: „Wisse zu sterben“ – erschütternd, erhebend, in die Einheit einer Schöpfung verschwebend.

Auch das Lesen der Essays dürfte für jeden von der Tiefe des Lebens und der Kunst erfüllten Menschen eine Bereicherung darstellen. Die Aussage „Kunst ist das tief innere Geständnis von Liebe“ lassen an Rilkes Worte denken: „Das ist alle Kunst: Liebe, die sich über Rätsel ergossen hat“. Das Credo der Essays ist, Verständnis und Empfindung im Leser zu erwecken für den Wert von Leben, Natur und Kunst, sie zu verstehen, nachzuempfinden und zu lieben. Der „Gnadentext“ z.B. rührt an den tiefsten Grund der Seele und an den Glauben einer Erlösung spendenden Kraft.

Gedichte von Hartmut Oliver Horst zu vertonen, trägt ein universelles Element in sich, da Gedankentiefe und weitgespannte Themen, die musikalische Qualität der Sprache mit ihren zahlreich vorhandenen musikalischen Ausdrücken und Aussagen, Vergleichen und Metaphern, die ewig gültigen Wirkungsmächte von „Leben, Liebe und Tod“ einen Komponisten zu schöpferischen Ideen zu inspirieren vermögen.

Die Werke von Hartmut Oliver Horst befähigen den Menschen, ein Sinnganzes zu spüren, und ist dies nicht auch der höchste Sinn wahrer Kunst?

Gisela Zoch-Westphal

Wie ein starker, kraftvoller Strahl ergießt sich der Text im Gedicht-Essay „Die Entfaltung der Kunst“. Ein Satz überströmt den nächsten. Man empfindet diesen Text vergleichsweise wie Conrad Ferdinand Meyers „Römischer Brunnen“: „Aufsteigt der Strahl und fallend gießt er voll der Marmorschale Grund … überfließt in einer zweiten Schale Grund … die gibt der dritten wallend ihre Flut und jede nimmt und gibt zugleich und strömt und ruht.“ Kostbare Formulierungen gelingen in diesem großen Gedicht, ein seliges Schweben in Sprache zu bannen … „so wie ein leichter Bogenstrich, der über Sterne schwingt.“ Und auch das mystische Einhorn gehört zu dieser schwebenden Zwischen-Welt.

Das Liebestönen im Gesange Dietrich Fischer-Dieskaus hat auch einen Kontrapunkt – wenn auch nicht in den himmlischen Sphären von Aphrodite und Athene.

Auch die Kunst ist dem Gesetz der Dualität unterworfen „hienieden“. Nicht alles im Leben ist hell und strahlend, weder in der herzensfrommen Musik von Bach noch bei Mozart, bei dem gewisse Klänge Tränen aufsteigen lassen.

Auch Abgründiges ertönt in diesem Text, Trauer, Verlust. Es wird angesprochen beim Gesang der Callas.

Aber wir nicht den Göttern gleichenden Menschen sollen ja auch erschüttert werden von Kunst, und Raffael, für Goethe einer der größten Maler, ein ewiges Wunder, vermochte mit Pinsel und Farben Unsagbares auszudrücken.

Wunderbar Athenes Text in „Der Entfaltung der Kunst“, und Aphrodite sagt es: „Durch Einfühlung erlebt man seelische Bereicherung“, und wunderbar das Schlusswort.

Wie dankbar können wir für diesen „seelenvollen Kräftestrom“ sein.

Dank für diesen Gedicht-Essay, den Ausflug ins Paradies!

Liselotte Römp-Panzer

„Wenn Geist erwacht und Augen sehend werden …“ „aus schöpferischem, wunderweiten Wesen dringet eines Lichtgedankens ewige Fülle wie offenbarte Wahrheit durch den Raum …“

Ich habe heute zwei Stunden mit Ihnen und Ihrem Gedichtband verbracht.

Einmal zu lesen begonnen, konnte ich mich Ihrer Sprache, Ihrer Gefühls- und Gedankenwelt nicht mehr entziehen.

Ich war und bin gebannt, berauscht, bezaubert. Ich arbeite ein Leben lang mit Sprache und weiß, wovon ich spreche.

Ich dachte beim Lesen an Rilke, an H. Hesse – an Horst.

Ja, Sie haben Ihre ganz eigene Ausdruckskraft gefunden, unverwechselbar.

Wie danke ich Ihnen für diesen Gedichtband!!