Weihnachtoder die Geburt der Liebe
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit (YouTube)
Aus fernen Zeiten leuchtet eine alte Prophezeiung wie ein Wort aus der Ewigkeit:
„Ein Spross wird hervor gehen aus der Wurzel Jesse und die ganze Welt wird erstrahlen und Erlösung finden in der Herrlichkeit des Herrn, denn auf dem „neuen Spross“ wird ruhen der Geist Gottes“!
Er wird genannt werden „Christus, der Herr“.
Er wird nicht trachten nach irdischem Gute.
Er wird den Armen mit Gerechtigkeit und den Elenden mit Billigkeit begegnen.
Er wird zu Gast sein bei dem Lahmen und der Löwe wird bei dem Lämmlein ruhen in ewigem Frieden.
Jauchzet, o Völker, Jauchze, o Volk Israel, denn der Reinste ist inmitten von euch.
Und als die Zeit gekommen war, dass die Prophezeiung Jesajas sich erfüllen sollte, sandte der Herr sein Leuchten hinab zu einer Jungfrau in der Stadt Nazareth.
Ein Engel sprach zu ihr und seine Worte strahlten tief in ihr Herz:
„Gegrüsset seist du, voller Gnade, du Benedeite, du Reinste unter den Frauen Israels“.
Als die Jungfrau Maria diese Worte vernahm, erschrak sie und ihre Seele hauchte:
„Was ist das für ein Gruss“?
Wie ein Strom der Liebe wehten die Worte des Engels zu ihr:
„Fürchte dich nicht!
Du hast Gnade gefunden bei Gott!
Siehe, du wirst – wenn die Zeit gekommen ist – einen Sohn gebären, den sollst du Jesus nennen!
Dieser ist das Licht, die Wahrheit und das Leben, er wird genannt werden der Sohn des Allerhöchsten“!
Da lösten sich aus der Tiefe ihrer Seele leise die Worte:
„Wie soll das geschehen, da ich noch keinem Manne angehöre“?
Und der Engel sprach:
„Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Gnade des Allerhöchsten wird in dir sein, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich“!
Da neigte sich Maria dem göttlichen Willen und sprach:
„Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Worte“!
Und wie aus überirdischem Glanze senkte sich in ihre Seele der leuchtende Strahl des allmächtigen Gottes
Es ist ein Ros entsprungen (Michael Praetorius) (YouTube)
Weil dieses Bild verloren,
wird Gott, ein Menschenbild,
in dieser Nacht geboren.
Das Erbarmen des allmächtigen Gottes offenbarte sich aus dem Wunder im Stalle von Bethlehem.
Das schöpferische Prinzip des Geistigen leuchtete auf im Prinzip der alles umfangenden Liebe.
Er, der Himmel und Erde erschaffen hat, offenbarte sich aus Liebe zu den Menschen im „Menschensohn“, empfangen vom Heiligen Geist, geboren aus der Jungfrau Maria, der Vollendete als Mythos des neuen, des wahren Menschen.
Den die Hirten lobten sehre/Quem pastores laudavere, Thomanerchor (YouTube)
Ein neuer Seelenstrom durchflutete die Welt und welche Kraft einer seelischen Erleuchtung durchstrahlte aus dieser Liebesbotschaft als innerstes seelisches Motiv in den kommenden Zeiten die Musik, die religiöse Malerei und als polyharmonischer Ausdruck auch die Baukunst, die als steingewordener Gruß aus den großen Kathedralen die Seele der Menschen in Schwingungen versetzt als Triumphgesang der Schönheit und der Liebe über alles irdisch Vergängliche.
In jener ewigen Nacht waren Hirten auf dem Felde und hielten Wache bei ihren Herden.
Das geheimnisvolle Geschehen im Stalle von Bethlehem erfasste auch sie und ihre Hirtenweise erklang leise durch die Stille der Nacht.
Doch wie eine überirdische Erscheinung erhellte auf einmal ein Strahlenglanz die Nacht und ein Engel Gottes trat zu ihnen und sprach – gleichsam an das ganze Menschengeschlecht – die Worte:
„Siehe, ich verkündige euch eine große Freude, die allem Volke widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr“!
„Nun sei willkommen, Herre Christ“, Peter Schreier (YouTube)
Der lang ersehnte und verkündete Sohn Gottes ist in die Welt gekommen!
Es jauchzten die Himmlischen Heerscharen, sie lobten und priesen Gott:
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden“!
Die Hirten erschauerten vor dieser himmlischen Erscheinung in der Geburtsstunde der Ewigkeit!
Sie gingen – den Worten des Engels folgend – nach Bethlehem, fanden das Kind in der Krippe liegen, fielen nieder auf ihre Knie und beteten es an.
„Tochter Zion“ (YouTube)
Maria umfing ihr Kind mit dem liebenden Blick ihres Herzens, sie spürte tief innen den erhabenen Sinn der göttlichen Offenbarung und ihre Seele bebte vor Gott.
Und Engel umgaben – leuchtend in der Erlösung aller göttlich – menschlichen Zeiten – lobsingend die Krippe im heiligen Stalle.
„Ich steh’ an deiner Krippen hier“, Mädchenchor am Dom von St. Quintin Mainz (YouTube)
Wie aus überirdischen Welten leuchtete eine ewige Botschaft aus dem hehren Liede: Die Liebe Christi macht alle Welt reich!
„Vom Himmel hoch“ (YouTube)
Das Vollendete und zugleich Maßvolle hatte die alte Welt abgelöst, alle Übergänge lösten sich auf in die unendliche Melodie der Liebe, die Arm und Reich, Alt und Krank und alle Menschen in diesen segensreichen Klang der Liebe band.
Ein neues Leitmotiv durchstrahlte die Welt, ein neuer Geist durchdrang das Spiel des Lebens, die Symbolik des Jenseitigen brauste wie ein gewaltiger Orgelklang über alle Welt, geheimnisvoll auferklingend noch im Todessymbol einer Erlösung.
Die Liebe des Menschensohnes verband nun die irdische mit der überirdischen Welt und sie offenbarte, dass der Mensch in seinem tiefsten Wesen aus der geistigen Welt des Göttlichen lebt.
Die Welt empfing diese ewige Botschaft: Das dem Menschen zugewogene Lebensgesetz kommt aus der Liebe und führt im Tode dahin zurück!
Aus der Weihnacht tönt – wie ein Klang aus der Ewigkeit – dieses Mysterium der Liebe:
„O großes Geheimnis, o wunderbares Sakrament“!
Und der Welt ward offenbar, dass ihr der Heiland geboren war!
Ein neuer Stern war aufgegangen und leuchtet in seinem Liebesanspruch immer weiter fort über das Schicksal der Welt, über das Leben und den Tod von jetzt an bis in Ewigkeit!